Aktuell

Hermann Harry Schmitz, der Katastrophen-Irrzähler erschoss sich mit 33 Jahren.
Seine Societät löst sich 33 Jahre nach ihrer Gründung und der Welturaufführung des grotesken Theatereinakters ‘Nr.42‘ zum 31. Dezember 2022 auf.

 

Wir sagen ‚TSCHÜSS‘, danken für Ihr jahrzehntelanges Interesse, das Sie bitte auch dem neuen Hausherrn, der Bürgergesellschaft Alde Düsseldorfer zeigen mögen!

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RÜCKBLICK

 Am 14. September 1989 fand – während des 5. Bücherbummels auf der KÖ – im historischen Spiegelzelt auf der Wiese am Graf-Adolf-Platz die öffentliche Weltur- und Liebhaber-Aufführung des grotesken Theatereinakters „Nr. 42 – Ein Albdruck“ von Hermann Harry Schmitz vor 700 begeisterten Zuschauern statt. 

Am 23. Februar 1990 traf sich das „Ensemble“ in einem Bierausschank auf der Oststraße zur Foto- und Videobestandsaufnahme und beschloss anschließend spontan – auf einem Bierdeckel (!) -, die Gründung der Hermann-Harry-Schmitz-Societät mit den Zielen, fortan die groteske Kultur in der Landeshauptstadt zu fördern und die Popularisierung des literarischen Schutzpatrons zu betreiben. 

Das bitte aber unkonventionell und vor allem ohne Zuschüsse aus öffentlichen Kassen.

Bis in die frühen 1990er Jahre war der ‚Ostflügel‘ der Kanzlei von Rechtsanwalt Wolfhard Bode an der Grafenberger Allee 249 Ideenschmiede der Societät.

Dann 1995 der Umzug in den historischen Uhrenturm, der mit Hilfe von Sponsoren, insbesondere durch die Jugendberufshilfe Düsseldorf, des Baukonzern HOCHTIEF und ein ABM-Projekt der Agentur für Arbeit, aufwändig renoviert wird. 

Im Oktober 1995 zieht die Hermann-Harry-Schmitz-Societät ein, gründet das Hermann-Harry-Schmitz-Institut mit dem vom TheaterMuseum der Stadt gestalteten Hermann-Harry-Schmitz-Museum.

In den folgenden Jahren und bis zum Beginn des „Corona-Zeitalters“ fanden rund 60 Ausstellungen mit Arbeiten Bildender Künstler im Uhrenturm statt. In den letzten zehn Jahren kuratiert von Friedrich Huppertz (dem ‚Düsseldorfer Lagerfeld‘ & Galeristen) mit überregionaler und internationaler Beachtung. Herausragend dabei die Ausstellungen der „Vergessenen“, wie Franz Witte, German Becerra (die Schöpfer des „Blechtrommel-Bildes“ im Stadtmuseum) , Horst ,‚Flötchen‘ Geldmacher (Künstlerfreund von Günter Grass), Hajo Bleckert (Zero-Begründer), Gerd Arntz (Wegbereiter der Piktogramme) und/oder Hannelore ‚Kügelchen’ Köhlers letzte Ausstellung 2017 vor ihrem Tod mit all ihren Skulpturen aus dem Düsseldorfer Stadtgebiet, oder die Ausstellung mit Arbeiten der ‚Unvergessenen‘ Gerhard Harvan, Norbert Tadeusz oder Lothar Wolleh.

Über 100 literarische Veranstaltungen fanden statt, sowohl im Uhrenturm, als auch an anderen Orten im Stadtgebiet (selbst auf dem Rhein mit mehreren Literatur-Schiffen und einem Opern-Schiff). Darunter zahlreiche Highlights, wie mit dem ‚Trio Infernale des schwarzen Humors‘ (Konrad Beikircher – Frank Meyer – Hermann Harry Schmitz), mit Olli Dittrich oder Hellmuth Karasek im Forum der Stadtsparkasse und im Bachsaal der Johanneskirche. Immer ausverkauft und immer nach Wiederholung verlangend!

Unvergessen auch, die (Vor-)Lesung von Hans-Werner Scharf, em. Hochschullehrer im Studiengang Literaurübersetzung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, mit seinen Neuübersetzungen ausgewählter Shakespeare Sonette in der Literatur-Laterne des Uhrenturms vor 99 begeisterten Zuhörern.

Die Societät zeichnet in ihren Anfangsjahren einen Oberstadtdirektor, einen Jonges-Baas und einen prügelnden Kommunalpolitiker mit dem Grotesken-Orden aus. Stellt die „Ordensvergabe“ aber bald ein, weil man sich aufgrund der Vielzahl der „Bewerber“ nicht auf einen „Preisträger“ einigen kann.

Macht das „Hydrantensterben“ im Hafen öffentlich. Einer der letzten unter Denkmalschutz stehenden Hydranten aus der Düsseldorfer Hafenanlage von 1896 steht heute auf der Wiese vor dem Uhrenturm. Aber das ist eine andere, lange und unrühmliche Geschichte.

1996 bringt der L+L Verlag in hoher Auflage „Das Buch der Katastrophen“, 33 Irrzählungen von Hermann Harry Schmitz – ausgewählt & benachwortet von Frank Meyer heraus Die Auflage ist längst vergriffen.

Zum 100. Todestages von Hermann Harry Schmitz am 8. August 2013 wird eine 58 €ent Sonderbriefmarke aufgelegt.

Erreicht, dass im Stadtteil Oberbilk eine Straße nach Hermann Harry Schmitz benannt wird und eine Schule, das ‚Hermann-Harry-Schmitz-Weiterbildungskolleg, Abendrealschule der Stadt Düsseldorf‘ … die allerdings (Katastrophe!) am 31. Juli 2020 wieder aufgelöst wird.

Am 15.Mai 2003 treten alle 242 Mitglieder (mit Ausnahme des Schatzmeisters!) der Bürgergesellschaft ALDE Düsseldorfer in die Hermann-Harry-Schmitz-Societät ein. (Das soll nun fast zwanzig Jahre später Folgen haben!)

Der Düsseldorfer Karikaturist Werner Stindt (big) und der Autor, Kabarettist und Schauspieler Frank Meyer gestalten und texten eine informative Cartoon-Biografie über Hermann Harry Schmitz, die zugleich als schmitz:card für den Besuch des kleinsten Kulturinstitutes in der Stadt Düsseldorf fungiert.

Seit Dezember 2021 gibt es eine Dependance in Kenmare/Irland, das MUSEUM OF HERMANN-HARRY-SCHMITZ

Wir hören nach 33 Jahren (welch ein Zufall!) selbstbestimmt und à la Schmitz auf!
Es sind viele Faktoren, die da zusammen kommen. Natürlich die Altersstruktur der Mitglieder. Der Zeitgeist. Die allgemeine wirtschaftliche Lage. Die wegbrechenden unterstützenden Literaturformate der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Der Niedergang der Printmedien. Die Zurückhaltung der Sponsoren und nicht zuletzt: Das coronabedingt ausbleibende Publikum. 

Es sind trübe Aussichten. Es besteht Gefahr, das die Kleinkunst und die „Nischenkultur“ auf der Strecke bleiben! Jetzt bedarf es kluger visionärer Köpfe in der Kulturpolitik, vor allem aber in der Kulturverwaltung! 

Wir haben das HHSMuseum/Institut immer mit Blick auf seine gesamtstädtische Bedeutung geführt – mit überregionaler und internationaler Beachtung. Die Mehrzahl der Besucher unserer Veranstaltungen kamen ohnehin aus der Region, auch aus dem benachbarten Ausland.

Wir haben die „vergessene“ Düsseldorfer Kultur gepflegt, aber auch interessanten Entwicklungen in der sg. Freien Szene ein Forum geboten.

In diesen vielen Jahrzehnten haben wir nie Zuschüsse aus öffentlichen Kassen beantragt oder in Anspruch genommen. Alle unsere Veranstaltungen und Aktivitäten und vor allem die Investitionen im historischen Uhrenturm haben wir ausschließlich über die Eintrittspreise, Verkäufe, die Beiträge unserer Mitglieder und durch Sponsoren finanziert. 

Vergleichbar mit anderen Kulturinitiativen kann durchaus gesagt werden, dass der öffentlichen Hand die Zahlung von rd. 1 Million Euro an Zuschüssen „erspart“ geblieben ist.

In der ‚Hoch‘-Corona-Zeit haben wir mit GEISTER-Lesung & GEISTER-Konzert in ihrer Existenz bedrohte Künstler finanziell unterstützt.

Wir hinterlassen dem Eigentümer des historischen Uhrenturms, der Stadt Düsseldorf einen Mehr-Wert im mittleren sechsstelligen Eurobereich, denn das „Taubenhaus“ Uhrenturm, dass uns das Liegenschaftsamt der Stadt 1995 verpachtet hat, ist heute ein gepflegtes Schmuckstück,
das wir am 1. Januar 2023 mit zwei „lachenden Augen“ der Bürgergesellschaft Alde Düsseldorfer übergeben, die das literarische Erbe sowie das Museum weiterhin pflegen und unterhalten wird und wie wir, „subventionsresistent“ und erst recht von gesamtstädtischer Bedeutung sind.

Düsseldorf, im November 2022

Klaus Lehmann

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Ein ganz besonders herzlicher Dank geht an einen Sponsor, der in den vielen Jahren die Außenfassade(n!) des historischen Uhrenturm gepflegt hat!


www.p-g-o.net ist Spezialdienstleister in Sachen Graffitientfernung und Graffitischutz in NRW.

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+++++HHS in Irland+++++


Dependance des Hermann-Harry-Schmitz-Museums in
Kenmare/Ireland – in einem kleinbuergerlichen Reihenhaus nach halsbrecherischen Messungen und Vernagelung des gesamten Treppenabgangs ohne grossen Blutvergiessens – erfolgreich eröffnet.
Wir sind begeistert!!!

und das aus doppeltem Grund:
R
oland Schaffrath, der Leiter der irischen Dependance hat zwei Grotesken geschrieben – mit besten Grüßen an Hermann Harry Schmitz!

    Kultur ist, wenn es schimmelt &
                  Warum alle ins Wasser gingen

Lesenswert! – UNBEDINGT!!! siehe ‚LESEPROBE‘

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GENDERHINWEIS
Auf unseren Seiten wird auf eine geschlechtsneutrale Differenzierung, z.B. Freund*innen, verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle MENSCHEN!

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HANDDRUCK-POSTKARTEN
Wir danken  LYRING.shop © Thomas Reiring für die freundliche Genehmigung des Abdrucks dieser wunderschönen „Empfehlung“!
Alle Postkarten wurden im Handdruck mit Bleisatz auf 250g/qm Glanzkarton weiß gedruckt.
Auf der BENZING Fußtiegelpresse und in Düsseldorf Flingern.
www.lyring.de (Poesie & Polemik aus Düsseldorf)

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