Geschichte

 

 

 

 

 

 

Der historische Uhrenturm von 1875 steht auf einem stadtgeschichtlich hoch interessantem Gelände. Die Gegend (der heutige Stadtteil Düsseltal), zwischen Düsseldorf und dem bis ins 20. Jahrhundert selbstständige Gerresheim war bis zur Industrialisierung sehr dünn besiedelt. Die ältesten Gebäude waren die beiden Speckerhöfe (benannt nach den aus Speckern bestehenden Knüppeldämmen) und die Buscher Mühle. Die Buscher Mühle, gelegen in einem kleinen Park an der Mulvanystraße, ist heute die einzige noch intakte Wassermühle an der Düssel.

1707 schenkt Kurfürst Jan Wellem Zisterzienser-Mönchen (auch Trappisten genannt), die aus Mönchenwerth vor dem Hochwasser des Rheins geflohen waren, das Gelände der Speckerhöfe für den Neubau einer Klosteranlage.

 

 

 

 

 

Schon 1714 wird das Kloster zur Abtei erhoben.
Die Mönche wurden im Hinblick auf das ehemalige Hofgelände zuerst auch Speckermönche genannt. Später änderte sich der Klostername in Düsselthal und wurde Namensgeber für den heutigen Stadtteil.

Wie viele andere Klöster auch, wurde Kloster Düsselthal Anfang des 19. Jahrhunderts säkularisiert und 1804 versteigert.

1822 erwirbt Graf Adelberdt von der Recke-Volmerstein die ehemalige Klosteranlage für 45.000 Taler (ca. 70.000 Euro) und gründet die ‚Rettungsanstalt Düsselthal für Waisen- und Straßenkinder‘.

1872 kaufen Ludwig und Franz Haniel sowie Heinrich Lueg 220.000 qm des Geländes für den Bau einer Maschinenfabrik.

 

 

 

 

 

 

1901 erfolgt die Planung und der Bau der Graf-Recke-Straße mitten durch die Reste der ehemaligen Klosteranlage – von der nur noch ein Türmchen der ehemals umgebenden Befestigungsmauer an der heutigen Max-Planck-Straße übrig geblieben ist und durch Rettungsanstalt.

1902 kauft die ‚Stiftung Düsselthal‘ den ‚Lindenhof‘ nahe Wittlaer und verlegt die Rettungsanstalt dorthin. In der Nachfolge die heutige ‚Graf-Recke-Stiftung‘

Der heute unter Denkmalschutz stehende Uhrenturm an der Grafenberger Allee erinnert als eins der wenigen noch stehen gebliebenen Relikte an die Zeit, als Düsseldorf ab 1830 industriell wurde und in den folgenden Jahrzehnten durch Gründungen von Industriefirmen zu einer Großstadt aufstieg.

In den Stadtteilen Flingern, Düsseltal, Grafenberg und bald darauf in Oberbilk, Eller, Bilk oder Lierenfeld, wuchsen die Fabrikanlagen rasant aus dem Boden, die meisten davon waren Metallfirmen.
Die Firmengründer waren zum Teil belgische Unternehmer, wie Haniel, Lueg oder Piedboeuf.

Der Uhrenturm war ab 1875 das Torwächterhaus der Maschinenfabrik Haniel & Lueg 

Ludwig und Franz Haniel sowie Heinrich Lueg gründeten 1872 eine Maschinenfabrik, in der am 12. Februar 1874 die Produktion mit 225 Mitarbeitern begann.

 

 

 

 

 

Die Fabrik bestand aus Eisengießerei, Hammerschmiede, mechanischer Werkstatt, Modellschreinerei, Kesselhaus und Magazin. Angefertigt wurden Anlagen für den Berg- und Hüttenbau, später auch für den Maschinen- und Schiffsbau. Da alle Einzelteile vor Ort gefertigt wurden, wurde bis 1898 u.a. der Bau eines Presswerks und eines Stahlwerks erforderlich.
1906 beschäftigte das Unternehmen bereits rund 2.000 Mitarbeiter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als eine der bedeutendsten Leistungen des Unternehmens gilt die Errichtung des Schiffshebewerks Henrichenburg/Waltrop am Dortmund-Ems-Kanal, das 1899 von Kaiser Wilhelm II eingeweiht wurde.

Die beiden Weltkriege richteten in Düsseldorf furchtbare Schäden an. Viele
Traditionsfirmen wurden zerstört oder gingen später in anderen Firmen auf.

Es mutet fast wie ein Wunder an, dass der Uhrenturm heute noch steht.

Das Unternehmen erlebte die Übernahme zur Gutehoffnungshütte. Nach dem 2. Weltkrieg kauften die Russen das Stahlwerk, transportierten es in die damalige Sowjetunion und bezahlten mit der Nutzungserlaubnis eines Bohrpatentes,

 

 

 

 

 

 

 

 

das Tiefbohrungen für die Ölförderung nach neuester Technik ermöglichte. Produziert wurden jetzt Bohranlagen – auch auf Lastwagen montierte mobile Anlagen – für den überwiegenden Einsatz im Vorderen Orient. 

1960 wurde die Produktion eingestellt und es erfolgte der Abbau des Gesamtbetriebes.

1973 gründete der Papierkaufmann Uli Hoffmann mit mehreren Künstlern auf dem ehemaligen Fabrikgelände „Die Werkstatt für Tanz, Theater, Malen, Werken und Gestalten“; das heutige Tanzhaus NRW. 1985 zieht die „Werkstatt“ in die Börnestraße.
Der Uhrenturm wird zur Brutstätte für „fast alle“ Düsseldorfer Tauben.

1992/3 erwirbt die Bundesagentur für Arbeit einen großen Teil des verbliebenen Grundstücks. Die letzten verfallenen Fabrikhallen und Gebäude werden abgetragen und die jetzige Agentur für Arbeit Düsseldorf gebaut. Der Uhrenturm entgeht dem Abriss –  
und wird „im letzten Augenblick“

1994 unter Denkmalschutz gestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1995 überlässt die Stadt Düsseldorf der Hermann-Harry-Schmitz-Societät e.V. den Uhrenturm.
Die Hermann-Harry-Schmitz-Societät (gegr.1990 nach einer Liebhaberaufführung des grotesken Theatereinakters „Nr. 42“ von Hermann Harry Schmitz).

Engagiert mit dabei: Verwaltung und Politik der Bezirksverwaltung 2; die Baufirma Hoch Tief (Einbau von neuen Türen und Fenstern und weiteren Baumaterial-Spenden), die Arbeitsagentur (Finanzierung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen = Ausbildungskosten für sechs Jugendliche in der Jugendberufshilfe Düsseldorf.
Über zwei Jahre renovierten die Jugendlichen mit Ihren Lehrern den inneren Teil des Turmes – u.a. wurde ein komplett neues Treppenhaus eingebaut.). Die Firma NPC, steuerte die beiden neuen Turmuhren bei. Die Hermann-Harry-Schmitz-Societät finanzierte die notwendigen technischen, elektronischen und sonstigen Baumaßnahmen, die für den Betrieb einer Veranstaltungsstätte notwendig und vorgeschrieben sind.

Am 01.03.1995 wurde zwischen dem Liegenschaftsamt der Stadt Düsseldorf und der H.H.-Schmitz-Societät ein Nutzungsabkommen auf unbestimmte Zeit geschlossen.
Am 24. Oktober erfolgte die Übergabe des Uhrenturms und das Hermann-Harry-Schmitz-Institut nahm seine Arbeit auf.
Von April bis Oktober, immer montags von 18 bis 20 Uhr, wenn alle Museen geschlossen sind, zur Pflege der grotesken Kultur in Düsseldorf.
D.h. – u.a., Ausstellungen von Arbeiten Bildender Künstler, Künstler, die zu ihrer Zeit die Szene bestimmten und dann irgendwann im wahrsten Sinne des Wortes aus der (Kunst)-Geschichte der Stadt ‘gekippt’ worden sind. (siehe Ausstellungen/Veranstaltungen – Archiv)

Darüberhinaus wird auf den oberen Ebenen im Turm eine vom Theatermuseum der Stadt eingerichtete Dauerausstellung zu Leben und Wirken von Hermann Harry Schmitz gezeigt.

Eine quadrophonische Anlage im Turm ermöglicht ebenso Veranstaltungen mit Literatur und Musik. Bei größeren Veranstaltungen werden die in der Stadt angebotenen Säle in Anspruch genommen.
Gefördert werden auch interessante neue Kulturangebote (z.B. das erste Opern-Schiff der Düsseldorf Lyric Opera 2018) 
Dabei gilt immer, dass sich die Veranstaltungen über die Eintrittspreise „rechnen“ müssen!

Das Hermann-Harry-Schmitz-Institut zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass
/ es das einzige unter den Kulturinstituten in der Stadt Düsseldorf, das eine
/ finanzielle Förderung aus öffentlichen Haushalten seit 25 Jahren ablehnt;
/ es nur montags (wenn alle anderen Museen der Stadt geschlossen sind) geöffnet hat;
/ sich (wie auch der Malkasten) nicht an der „Nacht der Museen“ beteiligt, weil es grotesk ist, dass in der Werbeweltmetropole Düsseldorf eine Werbeagentur aus Frankfurt die Veranstaltung organisieren „muss“;
/ sich nicht an der
art:card Düsseldorf beteiligt,
/ stattdessen seine eigene
schmitz:card – gleichzeitig Eintrittskarte propagiert;
/ es das einzige Institut ist, das die Eintrittskarte mit einer informativen Cartoon-Biografie über den Namensgeber verbindet.

Die Hermann-Harry-Schmitz-Societät freut sich darüber, dass es in Düsseldorf
inzwischen
/ eine Hermann-Harry-Schmitz-Strasse und
/ ein Hermann-Harry-Schmitz-Weiterbildungskolleg, Abendrealschule
gibt.

Ebenso über:
/ eine Hermann-Harry-Schmitz 58 Cent-Sonderbriefmarke (zum 100. Todestag 2013 );
/ einen exklusiven auf 825 Flaschen limitierten „Hermann-Harry-Schmitz Wein 2013“ (zum Stadtjubiläum & “Schmitz-Jahr 2013“);
/ einen aussergewöhnlichen Veranstaltungs-/Tagungsraum – die LITERATUR-LATERNE (& „Harry’s Bar“), deren Einrichtung mit freundlicher Unterstützung wiederrum durch die Jugendberufshilfe Düsseldorf und die Stadtsparkasse Düsseldorf ermöglicht wurde.

UND
noch ein Blick in die Stadtgeschichte
, besser
Erdgeschichte lohnt – ein sehr weiter – rund 300 -400 Millionen Jahre vor heute! Spannend erzählt in Band 1 der ‚Grossen Stadtgeschichte‘ , 1988, herausgegeben von Hugo Weidenhaupt.

Und das kam so:
Am ‚Tag des offenen Denkmals‘ 2013 besuchten ehemalige Arbeiter, die noch 1955 in der Maschinenfabrik ausgebildet worden waren, den Uhrenturm und brachten Foto- und Informationsmaterial über den damaligen Produktionsschwerpunkt Ölförderungsanlagen mit.
Einer der Männer zeigte eine Handvoll Muscheln und berichtete, dass bei einer (ungenehmigten) Probebohrung alles explodiert sei. Kristallklares Wasser, das Muscheln mit sich führte, hätte die Grafenberger Allee überschwemmt. In großer Hektik sei alles schnell wieder zubetoniert worden.

Eine Erklärung über den Muschelfund findet sich im Beitrag von Wolfgang Schirmer in der Grossen Stadtgeschichte.

Die Düsseldorfer Landschaft lag in ihrem erdgeschichtlichen Werdegang wechselnd am Ur-Mittelmeer oder an der Ur-Nordsee . War Küsten oder wurde überspült. Ebenso wechselnd bei subtropischem oder gemäßigtem Klima.

Zum Schluss, im Tertiär, also vor 35 Millionen Jahren, wurde „Düsseldorf“ zum letzten Mal von der Nordsee überspült. In weiteren Millionen Jahren entstanden die Niederrheinische Bucht und vor 12 Millionen Jahren der Rhein. Das Meer zog sich auf die heutige Küstenlinie zurück.

In Düsseldorf wurden die feinen Meeressande etliche Meter hoch abgelagert, die die heutige fast 50 Meter hohe „Gelbe Wand“, gar nicht weit vom Uhrenturm, hinter der ehemaligen Glashütte, als geologisches Wahrzeichen darstellt.


 

 

 

 

Diese Wand, der sogenannte ‚Hardenberg‘, entstand 1887, als man dort 1,6 Millionen cbm Sand zum Aufschütten des Hauptbahnhof-Geländes abbaute. Diese recht intensiv leuchtenden Sande trifft man auch an vielen Stellen im Grafenberger und im Aaper Wald an.
Die Sande bergen übrigens wunderschön in Limonit erhaltene Meeresfossilien und eben auch Muscheln.